Praxis-Organisation

Montag, 06.08.2018

Praxis-Managerin: Ein neues Berufs­bild gewinnt an Bedeutung

Die Organisation von Arzt­praxen hat sich in den letzten Jahren zum Teil tief­greifend verändert. Eine ganze Reihe von Gründen ist für den Wandel von der medizinischen Klein­praxis zu einem durch­organisierten, effizienten Gesundheits-Unter­nehmen verantwortlich.

Praxis-Managerin: Ein neues Berufsbild gewinnt an Bedeutung

Die Organisation von Arztpraxen hat sich in den letzten Jahren zum Teil tiefgreifend verändert. Eine ganze Reihe von Gründen ist für den Wandel von der medizinischen Kleinpraxis zu einem durchorganisierten, effizienten Gesundheits-Unternehmen verantwortlich. Im Gespräch mit Ruth Ehbets, Organisatorische Leiterin der Gruppenpraxis Küblis, haben wir einige Aspekte dieser Veränderung thematisiert.

Weshalb gewinnt ein professionelles Praxis-Management an Bedeutung?

Die Patientinnen und Patienten sind anspruchsvoll und stellen hohe Erwartungen an die Praxen (medizinische Kompetenz, professionelle Organisation, Ausstrahlung des Teams, Einsatz moderner Technologien etc.). Vermehrt werden Gemeinschaftspraxen und Gesundheitszentren gebildet, was meist mit grösserem Personaleinsatz verbunden ist. Es ist Tatsache, dass praktisch nur Leistungen der Mediziner nach Tarmed entschädigt werden, wogegen medizinische und andere Leistungen der MPA nur gering in Rechnung gestellt werden können.

Die Feminisierung des Arztberufes hat dazu geführt, dass vermehrt Teilzeit-Modelle verwirklicht werden, was wiederum eine vermehrte Koordination und Einsatzplanung innerhalb der Praxis bedeutet. Die Entwicklung der Digitalisierung mit vermehrtem Einsatz von Praxis-IT und Medizinal-Technologie erfordert entsprechende Kompetenz und tangiert die interne Organisation zunehmend. Zudem sind die Ansprüche an Effizienz und Wirtschaftlichkeit gestiegen, was vorab in den grösseren Praxen eine zunehmende Herausforderung bedeutet und betriebswirtschaftliches Denken erfordert. Gleichzeitig sollen die Mediziner von organisatorischen und administrativen Belastungen frei gehalten werden, damit sie sich auf die Betreuung der Patientinnen und Patienten konzentrieren können. Diese Aspekte zeigen, dass die gewandelten Ansprüche an  MPA und Praxis-Managerin zu einer unternehmerischen Schlüsselfunktion geworden sind.

Die Praxis-Managerin sorgt für reibungslosen Betrieb

In manchen grösseren Praxen wird diese Funktion durch die «Leitende MPA» wahrgenommen. In diesem Fall kann infolge zu vieler Verantwortlichkeiten eine Überbelastung drohen. Je nach Praxisgrösse und -ausrichtung kann das Pflichtenheft für diese Funktion recht umfangreich ausfallen, zum Beispiel wie folgt:

Praxis-Managerin: Ein neues Berufsbild gewinnt an Bedeutung

Team- und Praxis-Organisation

  • Einsatz- und Ferienplanung, Terminmanagement
  • Persönlichkeitsentwicklung im Team
  • Ausbildung MPA und andere Fachpersonen
  • Erkennung/Eliminierung interner Unstimmigkeiten
  • Beschwerde- und Fehlermanagement
  • Lohnwesen
  • Einkaufswesen, Organisation Reinigung

Praxis-Marketing

  • Betriebswirtschaftliche Organisation
  • Kommunikation nach innen und aussen
  • Werbung und Marketing, PR
  • Qualitätsmanagement
  • Image, Erscheinungsbild

Praxis-IT und MedTech

  • IT-Verantwortliche
  • Praxis-Administration
  • Social Media Aktivitäten
  • Datensicherung, Online Backup, Serverwartung

Patientinnen und Patienten

  • Zufriedenheit, Praxis-Image
  • Planung der Wartezeiten
  • Sensibilisierung des Teams für Patientenanliegen

Medizinerinnen und Mediziner

  • Verbindungsstelle Team – Mediziner
  • Befreiung von betrieblichen Details
  • Anregungen für organisatorischen Handlungsbedarf
  • Herstellung von Kontakten (Fachgesellschaften, Öffentlichkeit)

Anforderungen im Stellenprofil der Praxis-Managerin

Das Berufsbild steht noch in der Entwicklung. In Stellenanzeigen wird deutlich, dass Fachfrauen mit breiter Ausbildung gesucht sind. Oftmals ist eine Weiterbildung in nichtmedizinischen Teilbereichen gefragt. Dabei reicht der Wunschkatalog von Kenntnissen in der IT, in Marketing und Organisation, bis hin zu Praxisarbeit, Psychologie, Patientenkontakt, PR etc. Auf jeden Fall sind Kommunikationsfähigkeiten und ein kooperativer Führungsstil für leitende Funktionen in einer grösseren Praxis von Bedeutung. Zudem ist betriebswirtschaftliches Verständnis und ein gewisses «Generalistentum» für eine erfolgreiche Entwicklung der Praxis nützlich.

Wo und wie kann sich die künftige Praxis-Managerinn weiterbilden?

Praxisleiterin Ruth Ehbets (ruth.ehbets@fluentis.ch) hat folgende Erfahrung gemacht: Weil das Anforderungsprofil so breit ist, muss sich die interessierte Fachfrau das Rüstzeug selbst zusammenstellen. So finden sich passende Kurse und Seminare etwa in Lehrgängen für kleinere und mittlere Unternehmen (KMU). Ruth Ehbets hat sich beispielsweise in Kursen des Bündner Gewerbeverbandes schlau gemacht (Versicherungswesen, Marketing, HR). Als wichtig erachtet sie den Einblick in Betriebe nichtmedizinischer Branchen und den Gedankenaustausch mit Fachfrauen aus befreundeten Praxen. Ruth Ehbets hat zudem eine Management-Ausbildung an der HSG St. Gallen absolviert.

 

Einige weitere Möglichkeiten

  • Vitodata AG, Grundkurse und Kompaktkurse
  • Teilnahme an ERFA-Gruppen (Erfahrungsaustausch innerhalb von Berufsgruppen)
  • Berufsbild MPK (Medizinische Praxiskoordinatorin, Richtung Praxisleitung). Diese Ausbildung bietet passende Module an, die auch einzeln besucht werden können.
  • Odamed Berufsbildung MPA
  • Verschiedene Fachhochschulen bieten Module für Firmen an, die es gestatten, branchenmässig «über den Tellerrand hinauszuschauen»

 

Im Schweizer Gesundheitswesen zeichnen sich dynamische Entwicklungen ab, die in der Organisation der Arztpraxen Konseqenzen haben werden, zum Beispiel durch vermehrte Nachfrage nach Praxis-Managerinnen.