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Mittwoch, 08.08.2018

Humor in einer Arztpraxis – darf das sein?

Wer kennt die Situation nicht: Beim Betreten einer Arzt­praxis oder einer Klinik stellt sich häufig ein be­klemmendes Gefühl ein. Woher rührt dieser Umstand?

Humor in einer Arztpraxis – darf das sein?

Wer kennt die Situation nicht: Beim Betreten einer Arztpraxis oder einer Klinik stellt sich häufig ein beklemmendes Gefühl ein. Diese Beklommenheit wird manchmal zusätzlich durch Verhaltensweisen und das Auftreten anderer Patienten, des Personals und der Ärzte oder auch durch infrastrukturelle Gegebenheiten verstärkt. Bezeichnend hierzu auch der Flüsterton im Wartezimmer bei Unterhaltungen oder der sachliche Dialog mit dem Personal oder den Ärzten. Woher rührt dieser Umstand? Darf in einem Umfeld, in welchem sich Menschen mit einem gesundheitlichen Problem aufhalten, gelacht oder ein Witz gemacht werden? Gibt es überhaupt eine Verbindung zwischen ärztlicher Seriosität, sachlichem Urteil und Humor?

Dass Humor einen reinigenden Effekt hat und der Gesundheit gut tut, ist wohl eine unumstrittene Tatsache. Lachen ist ansteckend und lässt Schwieriges oder Schicksalhaftes in den Hintergrund treten. Voraussetzung hierzu ist jedoch, dass die Empfänglichkeit für Humor vorhanden ist. Diese Empfänglichkeit ist individuell: Gewisse Menschen reagieren auf einen humorvollen Spruch positiv, andere hingegen nehmen diesen ohne sichtbare Regung entgegen oder stören sich vielleicht sogar daran. Diese «Störung» wird durch die Umgebung einer Arztpraxis und die Erwartung an die Seriosität eines Arztes und dessen Personal eventuell noch zusätzlich befeuert. Denn die Regel «Arzt(personal) = seriös = sachlich = humorlos» ist ein tief verankertes Gedankengut bei vielen Patienten, aber auch bei Ärzten.

Ist Humor unseriös?

Lachen und Humor haben keinen direkten Bezug zur Seriosität eines Menschen, mit anderen Worten bedeutet mehr Humor nicht weniger Seriosität. Es gibt aber eine wichtige Verbindung zwischen Humor und Sensibilität. Ein flotter Spruch oder ein immerwährendes Lachen auf dem Gesicht ist nicht in allen Situationen angebracht. Es braucht die Sensibilität, die richtigen Situationen zu erkennen, um ein humorvolles Umfeld zu schaffen. Gerade im Gesundheitswesen, wo Menschen mit Krankheitsbildern und Schicksalen konfrontiert werden, braucht es diese wichtige Voraussetzung zum Erkennen situativer Verhaltensweisen. Fehlt diese Sensibilität, ist Humor ein Risiko, da dieser deplatziert und in einem falschen Moment eingesetzt wird und zu einer erheblichen Verstimmung beim Gegenüber führen kann.

Humor als Beitrag zur Motivation

Humor in Arbeitsteams, so zum Beispiel zwischen Ärzten und Angestellten, ist wichtig. Ein komplett humorloses Umfeld schadet dem Arbeitsklima und wirkt demotivierend auf das Personal. Humor, dezent und nie verletzend eingesetzt, ist in Teams dagegen zu empfehlen. Auch für Ärzte, welche oft gleichzeitig Vorgesetzte sind, sollte es Bestandteil der Führungskultur sein, in einem an sich anstrengenden und fordernden Arbeitsumfeld ein Klima der Lockerheit und Frische zu schaffen. Dies schadet weder der Seriosität noch den Ansprüchen an die eigene Führung und kann eine erhöhte Motivation der Mitarbeitenden bewirken. Voraussetzung ist aber, dass humorvolle Sprüche nie gegen Personen gerichtet und nie beleidigender, politischer oder rassistischer Natur sind.

 

Humor in einer Arztpraxis – darf das sein?

 

Überlassen Sie den Patientinnen und Patienten die Initiative für Humor

Humor und Lachen zwischen Ärzten/Arztpersonal und Patienten ist situativ einzusetzen. Beim Betreten einer Arztpraxis mit einem Lächeln empfangen zu werden, empfiehlt sich; dies macht Ängste wenigstens zum Teil vergessen und lenkt ab. Es zeigt sich bei den darauf folgenden Interaktionen mit den Patienten schnell, wie ihre Empfänglichkeit für Humor und Lachen ist. Zeigt sich ein Patient seinerseits humorvoll, darf diesem Patienten durchaus mit Humor begegnet werden. Bei allen anderen Patienten ist Vorsicht geboten; zu komplex und darum schwierig abschätzbar ist die Empfänglichkeit für Humor. Privates Umfeld, berufliche Situation oder das Krankheitsbild haben direkten Einfluss darauf. Darum müssen immer die Patienten Initianten für ein humorvolles Umfeld sein, nie der Arzt oder das Arztpersonal. Mit anderen Worten: Es empfiehlt sich eine angemessene Zurückhaltung beim Einsatz humoristischer Äusserungen.

Zur Verfasserin: Eine leidenschaftliche MPA mit Management­ausbildung im NBW (Netzwerk für betriebs­wirtschaftliche Weiter­bildung), in erster Linie aber Mutter zweier Mädchen, die nebenbei den Online­shop yabee.ch (Best 4 Family) betreibt.