Kommunikation

Mittwoch, 17.01.2018

Mehrsprachigkeit der Patientinnen und Patienten: Konsequenzen für den MPA-Beruf

Infolge der zunehmenden Mobilität, den Globalisierungstendenzen und erhöhter Flexibilität leben wir heute bekanntlich in einer multikulturellen, mehrsprachigen Gesellschaft.

Mehrsprachigkeit der Patientinnen und Patienten: Konsequenzen für den MPA-Beruf

Infolge der zunehmenden Mobilität, den Globalisierungstendenzen und erhöhter Flexibilität leben wir heute bekanntlich in einer multikulturellen, mehrsprachigen Gesellschaft. Vor allem in den Grossstädten prallen unterschiedliche Nationalitäten, Religionen und Lebenshaltungen zusammen. Die Auswirkungen daraus bedeuten einerseits eine Bereicherung, andererseits aber auch eine Herausforderung.

In beruflichen Alltagssituationen zeigt sich diese Vielfalt immer häufiger: die Ansprüche sind vielfältiger geworden und die Anforderungen an Dienstleistungen und Kommunikationsfähigkeit komplexer. Welche Konsequenzen ergeben sich aus dieser zwar nicht ganz neuen, heute in der Dimension aber weitaus grösseren Multikulturalität am Beispiel der sprachlichen Vielfalt?

Die Gefahr von Missverständnissen steigt.

Verbreitete Mehrsprachigkeit ist heute gerade in Ballungszentren Normalität. Viele MPA kennen die herausfordernde Situation, dass mit der deutschen Sprache allein nicht mehr alle Patienten verstanden und bedient werden können. Mit mangelnden Sprachkenntnissen beiderseits erhöht sich die Gefahr von Missverständnissen zwischen Patient oder Patientin einerseits und den MPA bzw. den medizinischen Fachpersonen anderseits. Die Konsequenzen aus Sprachbarrieren können gerade im Gesundheitswesen drastisch sein! Nehmen wir als Beispiel die mündlichen Angaben zu den Dosierungen und der missverständlichen Auffassung dieser Information.

Wieviel Sprachwissen ist von den MPA gefordert?

Wieviel Mehrsprachigkeit darf von den MPA erwartet werden? Die Vielfalt an Sprachen ist gross. Es zeigt sich in der (Deutsch-)Schweiz, dass sich neben dem Deutschen das Englische als Geschäfts- wie auch als Umgangssprache zunehmend etabliert. Andere «Globalsprachen», wie Spanisch oder Chinesisch, haben im Berufsalltag weniger Gewicht. Patienten mit diesem Sprachhintergrund werden, sofern sie der englischen Sprache nicht mächtig sind, häufig von spezifischen Arztpraxen behandelt. Erster Anknüpfungspunkt zwischen Patienten und medizinischer Institution ist häufig die MPA. Dieser erste (und häufig telefonische) Kontakt ist wichtig, weil meist richtungsweisend. So kann hier unter Umständen bereits geklärt werden, welche Krankheitsbilder infolge der Äusserungen in Frage kommen, beziehungsweise ob die Anfrage am richtigen Ort eingetroffen ist. Mit lediglich rudimentären Sprachkenntnissen kann ein solches Gespräch nicht kompetent und ohne Missverständnisse geführt werden.

Weiterbildung in Business-Englisch für das Gesundheitswesen

An den Schulen etabliert sich die englische Sprache neben dem Deutschunterricht zunehmend zur führenden Schulsprache. Die Sprachschulung im Bildungswesen wird laufend der Realität angepasst. Jüngere Generationen können sich als Folge häufig in der englischen Sprache ausreichend unterhalten. Da aber das fachspezifische Vokabular aus dem Gesundheitswesen nicht gelernt wird, im Alltag einer MPA aber relevant ist, empfiehlt sich eine vertiefte Weiterbildung im Business-Englisch, spezifisch für das Gesundheitswesen. Nur so können Patientinnen und Patienten richtig verstanden und geführt werden, was schlussendlich auch eine Entlastung der Arztes oder der Ärztin bedeutet.

Im Interesse von Arbeitgeber und Arbeitnehmenden

Meiner Meinung nach ist es im eigentlichen Interesse der Ärztinnen und Ärzte, dass die MPA die englische Sprache beherrscht. Eine fremdsprachliche Weiterbildung dient somit der Praxis oder Klinik und führt zu einem Mehrwert für die medzinische Institution. Die Finanzierung der Weiterbildung sollte somit Sache des Arbeitgebers sein. Als Grundlage existieren hierfür geeignete Weiterbildungsvereinbarungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmenden, wobei beide Parteien eine Verpflichtung eingehen.